Aus: Vorbereitung und Start

 

W enn ich über die Vorbereitungen zu unserer langen Afrikafahrt sprechen soll, dann müsste ich eigentlich auch einiges über die Vorgeschichte unserer Expedition berichten. Doch diese war an Ereignissen, Enttäuschungen und Sonderheiten so reich, dass mein Buch vielleicht gerade ausreichen würde um alles erschöpfend zu schildern. Sie war voller Tragik, wenn auch bisweilen mit mancher heiteren Note, und im Enderfolg Schicksal bedeutend, sowohl für zwei liebe Kameraden, deren Afrikahoffnungen zu Wasser wurden, als auch schließlich für mich. Jedenfalls saß ich nach all diesen Begebenheiten an einem frostklaren Januartage des Jahres 1931 mit einem Haufen Expeditionsgut, einer Menge meist trüber Erfahrungen und dem festen Vorsatz im März nach Afrika zu fahren in meinem Arbeitszimmer draußen in Niederschönhausen, einem nördlichen Vorort Berlins. Mir gegenüber meine beiden präsumtiven Fahrtgenossen Heinrich Dingler und Ernst Mielke. Dingler war alter Afrikaner, Lettow-Kämpfer und kein Neuling in Expeditionsdingen. Ihn trieb die Sehnsucht zurück nach dem Schwarzen Erdteil und der Wunsch draußen persönliche Studien zu treiben. Mielke, gelernter Filmoperateur, beabsichtigte seine praktischen Kenntnisse in den Tropen zu erweitern. Nachdem wir uns in letzter Zeit ausreichend beschnüffelt hatten, waren wir, jeder für sich, zu der Überzeugung gekommen, dass sich ein Zusammenschluss für eine gemeinsame Expedition lohnen dürfte. Nur wer die Tropen und ihren Einfluss auf Europäer kennt, wird ermessen können, wie schwer es ist geeignete Kameraden für eine anstrengende und lange Fahrt zu finden. Komplexe, in der Heimat vielleicht nur kümmerlich und kaum bemerkbar, wachsen sich in tropischen Gegenden zu wahren Riesen aus. Nur schwach cholerische Temperamente bekommen nicht selten ausgesprochene Tobsuchtsanfälle, die mit anderen ähnlichen Erscheinungen zusammenfassend und sachlich als Tropenkoller bezeichnet werden. Neben den klimatischen Einflüssen tragen hierzu die erheblichen körperlichen Anstrengungen und nicht zuletzt der mangelnde Personenwechsel in der nächsten Umgebung bei. Eine Art Schützengrabenpsychose in übertragenem Sinne. Von morgens bis abends und wieder bis morgens - immer mit denselben Leuten zusammen, das wird und muss auf Dauer zu Unstimmigkeiten führen. Wir prüften und erwogen daher lange. Schließlich schüttelten wir uns die Hände: Wir waren uns einig. Auf drei Motorrädern mit Beiwagen sollte Afrika von Kairo nach Kapstadt durchquert werden. Was trieb uns hinaus? Wir wollten deutsche Erzeugnisse durch fremde Länder führen, also eine indirekte Propagandaarbeit für deutsches Schaffen leisten. Dann hieß es, unseren Landsleuten, den deutschen Pionieren im fernen Afrika, Grüße der Heimat auszurichten. Auf kulturellem Gebiet sollte neben persönlichen Studien in erster Linie ein Film unserer ganzen Reise gedreht werden. Und dann die sportliche Seite. Eine schöne, große Sportaufgabe erfüllen zu dürfen sollte schon allein Grund genug sein, keine Strapazen und Gefahren zu scheuen um mit dabei sein zu können. Dazu kommt das nicht unwichtige, im nationalen Sinn wertvolle Moment, dass Sport, guter Sport, heute mehr denn je dazu angetan ist Brücken zu schlagen, Brücken der Verständigung, der Sympathien von Land zu Land, von Volk zu Volk! Die beiden wichtigsten Fragen des Expeditionsaufbaus waren die Finanzierung und eine sachgemäße Ausrüstung. Die Gelder brachten wir selbst auf. Es stand uns eine Summe zur Verfügung, die bei größter Sparsamkeit für eine brauchbare Ausrüstung und die gesunde Durchführung unserer Pläne ausreichen musste. Die deutsche Industrie hatte zugestandenermaßen schon damals mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen, sodass wir mit einer ausgesprochen nennenswerten Unterstützung von dieser Seite nicht rechnen konnten. Dazu kommt, dass man sich in Deutschland nicht mit dem Propagandawert befreunden will, den eine solche Fahrt für die interessierten Industriezweige mit sich bringen kann. Jede Reklame kostet selbstverständlich Geld. Jedes Erzeugnis, auch das wertvollste, muss aber in gewissen Zeitabständen nachdrücklich propagiert werden, sonst wird es von der eventuell weniger wertvollen, aber reklamefreudigeren Konkurrenz verdrängt.