Vorwort

 

Im Nachlass meines alten Herrn, der im Frühjahr 1980 im Alter von 83 Jahren verstarb, fand sich auch das einzig noch verbliebene Exemplar dieses Buches. Ziemlich zerfleddert, mit fleckigem und abgewetztem Leineneinband, der Buchrücken abgeplatzt, lose Blätter hinter dem Buchdeckel ... Die unzähligen Male, da es für die unerlässlichen Einschlafgeschichten eines heranwachsenden Sohnes herhalten musste, hatten ihre Spuren hinterlassen. Geschichten, denen die Träume folgten. Von Afrika, jenem verheißungsvollen, schwarzen Erdteil voller Gefahren und Abenteuer, voller wilder Tiere und dunkelhäutiger Menschen. Lange Zeit blieb es verstaubt, doch nie ganz vergessen, in den Bücherregalen meines Lebens versteckt. Der Hang zum Abenteuer war mir von Vaters Seite mit in die Wiege gelegt worden, und so machte auch ich mich auf, genau wie er und im gleichen Lebensabschnitt, hinter den Horizont zu blicken. Im Gepäck dabei das Buch meines Vaters, das an so manchem Lagerfeuer herausgeholt und vorgelesen wurde. Und genau wie er, so schrieb auch ich danach ein Buch über diese Jahre der Reisen und der Abenteuer. Doch das Herausgeben meines Buches wäre nur eine halbe Sache gewesen, ein unvollendeter Akt. Denn ohne die Geschichten aus dem Buch meines Vaters, ohne seine unnachahmliche Art zu erzählen und ohne seine Veranlagung, wäre meines nie entstanden. So entschloss ich mich dieses wertvolle Erbe zu bewahren und es neu aufzulegen. Die Arbeit mit Scanner und PC ging über Wochen und Monate. Ich bemühte mich dabei möglichst original am Vorbild zu bleiben. Es gelang mir Formatierung und Layout fast bis aufs Wort beim Seitenwechsel beizubehalten. Den Inhalt ließ ich unangetastet. Er stellt so ein beredtes Zeitzeugnis der Reiseberichterstattung aus den 30erJahren dar. Natürlich würde man bestimmte Ausdrücke sowohl aus ethnologischen, als auch aus stilistischen Gründen heute nicht mehr so benutzen. Politik und Gesellschaft haben sich, Gott sei Dank, seit dieser Zeit gewandelt. Dennoch ließ ich bestimmte Redewendungen und Beschreibungen aus Gründen der Authentizität unverändert, der Leser möge sie bitte richtig einordnen, nämlich in die Zeit, in der sie geschrieben worden sind. Die Neubearbeitung und das Herausgeben dieses Buches waren für mich mehr als nur Verpflichtung. Es ist der späte, leider zu späte, Dank an einen Freund und Vater, der nie aufgehört hat, mich immer wieder auf die Schönheiten der weiten Welt aufmerksam zu machen, und der mich gelehrt hat, sie auch für mich zu entdecken. Wenn ich heute an der Reling stehe und in den Sonnenuntergang über einer fremden Küste schaue, dann verdanke ich die Empfindungen dabei auch dem Einfluss und dem Erbe meines Vaters. Erst heute, nach seinem Tod, ist mir klar, wie sehr ich ihn dafür geliebt habe.

Peer Millauer

Vita

Horst Millauer, geb. am 24.08.1897 in Moritzkehmen bei Königsberg, heute Klaipeda/Litauen. Aufgewachsen in Berlin. Teilnahme am Ersten Weltkrieg in Russland, Leutnant d. R., Abitur. Danach freier Journalist, Pressereferent, Schriftsteller, Unternehmer in Berlin. Aus dieser Zeit zwei Ehen, drei Söhne und eine Tochter. In den 30erJahren als Presseberichterstatter auf Auslandsreisen, Motorradexpedition Kairo-Kapstadt 1931, Saharadurchquerung mit dem Motorrad 1933/34, Teilnahme am ZweitenWeltkrieg, Nachschubkommandeur unter General Rommel in Afrika, Oberst, nach dem Krieg dritte Ehe mit Sohn Peer als einziges Kind. Verbindungsoffizier zu den französischen Streitkräften in Freiburg i. Brsg., 1957 Ruhestand. Reisen, Hausbau, Vereinsvorsitz in Sexau bei Freiburg. Gestorben am 20. März 1980 in Sexau.